Montag, 3. Oktober 2011

Montag, 3. Oktober 2011, 8.30-14.30 – Motto des Vormittags: On y va! (Los geht’s!; wörtlich: Gehen wir dahin!)

Guten Morgen. *verstohlen gähn*

Ich bin heute geweckt worden – um viertel sieben. Und wovon? Von einer Dusche, ganz wunderbar. Das Bad liegt hellhöriger Wand an hellhöriger Wand mit meinem Zimmer, und so konnte ich das kaum überhören. Ich nehme es niemandem übel, ich weiß ja, dass meine Gastmutter früh arbeiten gehen musste – wann genau habe ich vergessen, ich war gestern nur noch für das Allerwichtigste aufnahmefähig :D Das hat z.B. mit eingeschlossen, dass ich um 8 das Haus verlasse, zusammen mit Agathe (meiner Gastschwester für einen Monat^^), um den Bus in die Stadt zu nehmen. Gesagt, getan – so war ich wenigstens wirklich fertig und bereit für einen Tag Impressionen sammeln und mich von einer wunderbaren Sprache berieseln zu lassen ;)

Mithilfe von Agathe habe ich mir dann noch eine Monatskate für die öffentlichen  Verkehrsmittel zugelegt (25,50 für Tram, Metro und Bus, das ist echt günstig^^) und habe mich dann auf den Weg gemacht.

Seid ihr schonmal morgens über eine Einkaufsstraße geschlendert, während die Geschäfte alle noch zu hatten? Es ist eine interessante Erfahrung, vor allem, wenn man wirklich langsam läuft. Um diese Zeit, mit geschlossenen Läden, kann man die Leute wunderbar aus dem Konzept bringen indem man einfach langsam läuft und sich die Schaufenster anschaut :DD

Aber besser nochmal von vorne. Ich bin an einem Knotenpunkt angekommen, der Haltestelle Perrache, habe dort mein Ticket gekauft. Anstatt die Metro weiter zu nehmen, bin ich zu Fuß über die Rue Victor Hugo, einen der beiden Einkaufsboulevards, ins Zentrum vorgestoßen. Diese Straße kann man sich in etwa so vorstellen: gemusterter Boden, mal Teer, mal Steine, kurze Stücke auch gepflastert, aber das seltener, schön scheckig also. Ich bin mir noch nicht ganz im Klaren, ob dort nun Autos fahren dürfen oder nicht, einige haben es gemacht, aber die können genauso gut zu irgendwelchen Läden gehören. Überhaupt, Lyon und Verkehr ist schon sehr amüsant^^ Auf der Fahrt vom Bahnhof zur Wohnung hat meine Gastmutter ja einige Fast-Unfälle erlebt, nichts wirklich schlimmes, aber für Blechschaden hätte es gereicht – nicht so, dass ihr oder ich beim Auto fahren Angst haben müssen^^ Auf jeden Fall ging nach jedem Ausweichmanöver das Fluchen los – in der Hälfte der Fälle zu recht, in der anderen zu unrecht, es hielt sich in etwa die Waage ;) Überhaupt scheinen die Lyonnais (Ich schreibe hier NICHT Lyoner, mein Kopfkino gaukelt mir dann immer watschelnde Wurstscheiben vor xD) mehr nach dem Auge als nach den Ampeln und/oder den Regeln zu gehen, gewissermaßen die harmlose Version von Bangkok, wenn auch (zumindest nach dem, was ich bisher gesehen habe :DDD) weniger chaotisch^^ Ööööhm… Ja, also, wo war ich stehengeblieben? Ach ja: Victor Hugo, Beschreibung.

Vom Platz her würde ich sagen, die Breite von 2 normalen Fahrbahnen + Gehwege. An dieser Straße lagen vor allem Modegeschäfte, die wird in Lyon ganz groß geschrieben durch die traditionelle Seidenherstellung, dazu später mehr, da stehen einige Sachen auf meiner Liste, die ich mir diesbezüglich anschauen will (und ich will mal sehen, ob ich so einen Schal bekomme, die sind toll :D). Die Häuser scheinen alle schon etwas älter zu sein, aber gut erhalten. Die meisten sind weiß oder beige bis bräunlich, mit relativ großen, vielen Fenstern und schmalen Balkonen mit schwarzen oder eisernen (?), filigran verzierten Geländern, drei- bis vierstöckig. Geschäfte waren eigentlich nur in den unteren Etagen, falls es irgendwo noch weiter nach oben ging, hat man das von außen nicht gesehen. Also: Größtenteils Mode und Essen, überraschenderweise (und ich bin mir noch nicht sicher, ob ich positiv oder negativ überrascht bin – wahrscheinlich beides^^) kaum etwas von den großen Ketten – ein H&M, ein pimkie, claire’s, Subway, Starbucks, MacDonalds, Ende. Und das schließt auch die zweite große Straße mit ein =)

Joaaa… Von der Rue Victor Hugo aus bin ich zum Place Bellecour gekommen, dem inoffiziellen (?) Zentrum der Stadt – egal, wo ich war, irgendwie bin ich doch immer wieder dort gelandet :DD

Viel zu sehen gab es auf dem Platz nicht, weil dort gerade gebaut wird – es war also eigentlich nur ein Viereck mit Straßen drum herum, mit rötlichem Sand bedeckt und einigen Baustellen mittendrin sowie den beiden Flüssen, Sâone und Rhône in Sichtweite, keine Ahnung, was sie daraus machen wollen – Potential hat es auf jeden Fall^^

Und von dort aus ging meine Oddysee los. Ich habe keine Ahnung, wo ich alles war und wo nicht, ich bin einfach los, um ein paar Eindrücke zu sammeln, was sich auch auf jeden Fall gelohnt hat. Jetzt, wo ich Lyon ein Stück besser kenne, habe ich die Idee von gestern verworfen, morgens eine neue gehabt und diese später ebenfalls verworfen :DD

Und bevor ich euch jetzt allzu viel erzähle von etwas, das ich ohnehin nicht benennen kann, lasse ich einfach mal ein paar Bilder sprechen ;)





















Irgendwann hatte ich dann doch ziemlichen Hunger, das gebe ich offen und gern zu. Habe mich dann entschieden für eine Fougasse. Hatte ich vorher auch noch nie gegessen, ich habe dann nachgefragt und es mir erklären lassen. Das ist eine Art Teigtasche, ziemlich dicker Teig, etwas dicker als Pizza, mit Füllung – auf jeden Fall Reibkäse, dann Tomaten, Fleisch, Fisch, noch mehr Käse, … Kann man sowohl warm als auch kalt essen – Pizza Calzone à la francaise ;D (entschuldigt bitte, falls es jemandem aufgefallen sein sollte, dass ich dieses: „ç“ nicht benutze – ich schreibe von meinem eigenen Laptop aus und habe keine Tastenkombi dafür, das macht das ganze ausgesprochen umständlich^^)

Kommen wir damit also zum Missverständnis des Tages: Ich esse keinen Fisch, das habt ihr ja schon mitbekommen. Was jetzt passiert ist, fand ich nicht so lustig, denn diesmal liegt das Missverständnis nicht auf meiner Seite. Eigentlich wollte ich eine Fougasse mit Tomate und Mozzarella nehmen, die hatte sie aber nicht mehr, ich hab sie also aufzählen lassen. Bei „jambon et champignons“ (Schinken und Pilze) habe ich gesagt, dass ich das nehme, bin dann losgegangen und habe mir eine Bank gesucht. Die ich dummerweise erst nach einer Viertelstunde gefunden habe.

Als ich mich dann bequem hingesetzt hatte und zum ersten Mal herzhaft in mein Fougasse gebissen habe, hätte ich es fast wieder ausgespuckt. Thunfische sind nämlich ausgesprochen hinterhältige Viecher – und manche Verkäuferinnen in Brasserien auch. Ich hatte statt dem was ich mir gewünscht hatte „thon et tomates“ (Thunfisch und Tomaten). Schaut euch meine Reaktion an – ich mag wirklich keinen Fisch. Und das Missverständnis des Tages steht damit ebenfalls fest, diesmal aber nicht von meiner Seite.

Dummerweise sind Thunfische nun wirklich keine netten Viecher. Weil ich 3 Euro nicht aus dem Fenster rausgeschmissen haben wollte, habe ich den Fisch aus der Tasche rausgelesen, was ja schon Matscherei an den Fingern war – aber der hatte es wirklich auf mich abgesehen. Eines der Stücke ist weggerutscht und mit doppeltem Salto auf meinem Rock gelandet – dem einzigen kurzen Teil, das ich mithabe. Jetzt kann ich nur hoffen, dass ich den rötlich-gelben Fleck entweder wegbekomme oder es bald nicht mehr ganz so sommerlich ist -.-

Gegen 1 bin ich dann doch etwas fußlahm geworden und mit der Metro (die übrigens weniger dreckig und moderner ist als die in Paris – zumindest die, mit der ich gefahren bin^^) zurück nach Perrache gefahren. Dort noch schnell Shampoo und Duschbad gekauft und was zu trinken, dann den Bus genommen. Dummerweise hat an meiner Zielhaltestelle schon das nächste Dilemma gewartet – in Form meines nicht vorhandenen Orientierungssinns. Wo kam ich also nochmal her?

Das für mich typische Glück hatte mich wieder, sodass ich die richtige Straße erst beim vierten Versuch genommen habe, sicher sehr zur Freude derer, die hinter der Bushaltestelle wohnen – die hatten wenigstens was zu lachen^^

Fazit: Ich bin glücklich hier, fühle mich wohl – und weiß für’s nächste Mal auch, wie ich heim komme :DD

Wenn sich noch etwas ergeben sollte, folgt ein weiterer Bericht natürlich später/morgen noch^^

HEL

Katha

PS: Morgen ist mein erster Arbeitstag… Ich gebe es offen zu, ich bin nervös :D

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