Samstag, 8. Oktober 2011

Dienstag, 4. Oktober 2011, Motto des Tages: „Au boulot!“ (An die Arbeit!)

Ich habe keine Ahnung, wie ich anfangen soll, also beschreibe ich einfach mal, was gerade so passiert.

Ich esse Cookies.

Mein Netz spinnt hin und wieder rum, da ich nicht im Wohnzimmer sitzen will unter der Bewachung meiner Gastmutter, die alle 5 Minuten fragt, was „sa grande“ (ihre Große – so nennt sie seit Montag abend -.-) macht.

Es ist kühl, aber nicht kalt.

Mein Arbeitstag war anstrengend, aber interessant. Womit wir beim Thema wären. (Darf ich jetzt mal stolz auf mich sein?)



[Bevor es richtig losgeht noch eine kleine Anmerkung: JA, ich hänge hinterher – die ersten Tage waren einfach n ur verdammt anstrengend, ich hab es einfach nicht auf die Reihe bekommen. Ich versuche wirklich, so schnell wie möglich nachzuholen, ich versprech’s! Für Nebenereignisse und –anmerkungen garantiere ich nicht, es kann gut sein, dass ich da ein oder zwei Tage durcheinanderhaue, aber das ist bei den entsprechenden Sachen dann auch nicht so wichtig, das kann ich euch versprechen ;) Genug dazwischengelabert, jetzt geht es wirklich los :DD]



Aaaalso, ich arbeite in der „Bibliothèque Municipale du première arrondissement“, der Hauptbibliothek des 1. Viertels. (Ja, die Franzosen nummerieren ihre administrativen Stadtviertel, aber das dürfte für kaum jemand eine Überraschung sein, oder ?^^) Also, ich bin ganz im Zentrum in einem Multikultiviertel – und das ist nicht nur so dahin gesagt, das ist wirklich eins. Das hat mir eine der Bibliothekarinnen erzählt und ich habe es auch selber schon gesehen – in welchem Viertel hat man schon Asiaten, Dunkelhäutige, Weiße auf einem Fleck, von denen zusätzlich noch die verschiedensten Klamottenstile aufeinandertreffen – die typischen, weiten Afrikanerkleider neben jüdischen Bärten und Mützchen neben Designerklamotten neben Country-Stil neben teurem Designer neben Kopftuch neben was-auch-immer. Überhaupt habe ich eine ausgesprochen interessante Beobachtung gemacht: Wurstscheiben-Frauen mögen keine Halbschuhe. (Ja, ich finde das WIRKLICH interessant weil kurios :D) Seit ich hier bin, habe ich eigentlich nur Sandalen, Flip-Flops, Ballerinas und was-weiß-ich gesehen, aber nur 2- oder 3-Mal Halbschuhe, Sneaker, Converse, irgendsowas… Was schließen wir daraus? Ein kleines Stück Haute Couture muss immer sein, und wenn’s nur an den Füßen ist :D

Wo ich schonmal vom eigentlichen Thema abgewichen bin, kann ich auch gleich dabei bleiben. Essen. RESTAURANTS. Die französische Restaurant-Kultur ist etwas, das Deutschland wirklich fehlt. Da bekommt man eine ordentliche Portion leckeres Essen PLUS Vorspeise in Form von Salat oder Suppe PLUS Dessert oder Käse und/oder einen Kaffee zum Nachspülen für 7-12,50 €. Und Wasser gibt es kostenlos unbegrenzt und sauber dazu. Ich meine – damit kommt man in Deutschland nicht mal auf ein Hauptgericht :D

Natürlich ist das dann keine 5-Sterne-Küche, aber ich vermisse das trotzdem. Gäbe es solche Preise mit der Qualität der meisten Franzosen, die überleben (das tun die miesen nicht^^) mit eigenem Restaurant, würden auch viel mehr Leute essen gehen. Und es schmeeeeeckt dann auch noch so himmlisch… Abends wird es dann auch schon wieder teurer, aber trotzdem. Nicht sooo viel teurer.

Am ersten Tag z.B. wurde ich von einer Kollegin spontan zum Mittagessen eingeladen. Ganz in der Nähe der Bibo, ein paar Schritte nur, gibt es einen kleinen Platz, an dem ein kleines Restaurant liegt, an dessen Name ich mich nicht mehr erinnere. Irgendwas mit „Café“, in den englischen Ländern auch wegen ebendiesem guten Kaffee anerkannt und heiß geliebt – ein Ort, an dem die Sprachküche überkocht, im positiven Sinn, auch wenn es meine Sinne ganz schön durcheinander gebracht hat.^^

Das Lokal ist vegetarisch und hat keine riesige Auswahl, ein paar Sandwichs, den „Plat du jour“, das Tagesgericht, was warmes. Auch hier: Vorspeise mit eingeschlossen, war ein bisschen Olivenbrot (schwarze und grüne Oliven eingebacken, ich nehme stark an, dass die vorher schon getrocknet wurden – ist auf jeden Fall riiiiiiichtig lecker :D), Hauptgericht und Plat du Jour – Quiche mit Zucchini und Knoblach, serviert mit einem Salat (grüne und lilane Salatblätter & Tomaten & irgendwas, das nicht in meinem Wörterbuch war, aber trotzdem lecker :D) und etwas Brot (aber das gibt es da ja immer^^) – und das war soooo lecker *_* - als Dessert dann noch den bekannten Kaffee oder für Leute wie mich, die nur dann Kaffee trinken, wenn sie müssen, weil sie sonst einschlafen, Tee, auch den super Qualität. Das ganze für SIEBEN EURO FÜNFZIG. Ich glaube, wenn ich mal alleine essen muss/sollte und in der Nähe bin, gehe ich wieder dahin. So langsam beginne ich, vegetarische Küche zu schätzen ;)

(Oh Mann, ich hab schon wieder etwas mehr als eine Seite geschrieben, und dabei hab ich noch nicht mal angefangen, über das, was ich in der Bibo mache, zu erzählen :D)

Okay… Zurück zum ersten Tag. Schlau wie ich bin, war ich erstmal ne Stunde zu früh da, ich hatte am Montag nicht darauf geachtet, wie lange ich brauche mit Bus und Metro. Tja… Da stand ich vor verschlossenen Unesco-Weltkulturerbe-Türen, von denen es später auch noch Fotos gibt. Ich habe also eine halbe Stunde lang Touren durch das Viertel gemacht und dabei selbst die Vielfalt festgestellt, die sich nicht zuletzt an der Variabilität der Restaurants messen lässt. (Ihr merkt, ich habe Hunger… *hust* Naja, Abendessen wird bald fertig sein, denke ich, danach komm ich vielleicht nicht mehr immer nur auf das Essen zu sprechen. Das wird auch wieder lecker *schwärm*)

Eine halbe Stunde später stand ich trotzdem wieder da, diesmal vor geöffneten Unesco-Weltkulturerbe-Türen und ge-, aber nicht verschlossenen Glastüren.

Die Bibliothek liegt im ersten Stock, unten ist ein Centre Social, so ein Soziales Zentrum, das kennt man ja aus Deutschland. In Lyon ist das auf jeden Fall ziemlich gefragt, es gehen eigentlich immer Leute rein oder raus, von Kindern bis zu Oldies, hinter denen man das Gefühl hat, zu stehen statt zu laufen.

Ich bin hoch, sehr zögerlich, und habe erstmal drei verschlossene Türen gefunden. Toll. Was nun? An die erste, in der Mitte und die Größte, geklopft. Keine Antwort. War ja schon mal toll. Habe mich dann nach rechts gewandt, zur nächsten Tür. Plötzlich geht es hitner mir los. BÄÄÄÄM!!! Die Tür wurde aufgerissen und ich wurde in einem Französischtempo, das wohl selbst für Einheimische manchmal schwer zu verstehen ist, angesprochen. Bin erstmal zusammengezuckt, was zu Entschuldigungen geführt hat.

Hereingewunken wurde ich derart von Nathalie, von wem auch sonst? (Wie ihr bemerken werdet, sobald ich euch meine Kollegen vorstelle^^) Nathalie ist kleinwüchsig (also, so richtig mit Gendefizit und Kindergrößen und so :D), laut und strotzt nur so vor Selbstbewusstsein. Sie hat rote Haare, die ihr bis knapp über die Hüfte reichen, trägt immer knallroten Lippenstift und dürfte so Mitte 40, Anfang 50 sein – aber ich bin extrem schlecht im Schätzen, vergesst das nicht :D Ach ja: Und sie trägt fast immer bunt gemusterte Kleider mit breiten Trägern, entsprechenden Jacken oder Strumpfhosen (da der Herbst hier ja auch angekommen ist^^), von denen ich sie teilweise im Verdacht habe, Tops gekauft zu haben :D

Sie arbeitet hauptsächlich im Saal für Kinder (die Bibo hat zwei, aber dazu später mehr^^), ist unglaublich herzlich und macht Witze, die selbst ich verstehe, was bei den anderen eher nicht der Fall ist :D Sie ist es auch gewesen, die mich von meiner Rumsitz-Position erlöst und in ein paar Aufgaben eingeführt hat und von der ich zu dem oben schon erwähnten Essen eingeladen wurde (noch gab es nichts hier und heute *hust*).

Also: Ich wurde von Nathalie nach drinnen gewunken, erstmal drei weiteren Kollegen vorgestellt, von denen ich mich nur noch an Agnes‘ Namen erinnere. Agnes ist die Raucherstimme unter meinen Kollegen, wenn auch nicht die einzige Raucherin. Kurzhaarschnitt, leicht gewellt und wirkt chaotisch, aber auf ne sympathische Art, helle Haut, dunkle Augen, lächelt ständig und ehrlich, lacht aber wenig, redet nicht wirklich viel, ist aber ziemlich schlagfertig, soweit ich das beurteilen kann. Organisiert die „Animations“ für Kinder, dazu aber später mehr. (Dieses Wort dürfte auch das Missverständnis des 1. oder 2. Arbeitstags gewesen sein – später mehr, wie gesagt^^)

Dann ist da noch eine blonde, ein wenig füllige, aber nicht fette Dame, sehr herzlich, aber scheinbar hauptsächlich für die Büroarbeit zuständig; ich hab sie kaum zu Gesicht bekommen.

Ich habe meine Tasche auf Anweisung Nathalies in der Küche abgestellt. Das ist aber keine einfache Küche – es ist ein ziemlich großer Raum, rechter Hand an der Wand steht ein Tisch mit einer Mikrowelle, ein Kühlschrank neben der Tür und in der hinteren Ecke gibt es ein Waschbecken. Ein paar Schritte von der Tür entfernt eine Tafelrunde für 4 Ritter – oder eben Bibo-Mitarbeiter. Der Rest ist zugestellt und vollgestopft mit allem möglichen Kram – Regale voll Büchern natürlich, aber auch ein Teppich, verschiedene Aufstelltafeln für verschiedene Themen, die meisten davon comicartig gestaltet, eine Gitarre gaaaaanz weit hinten, wohin man nicht durchkommt, und etlicher anderer Kram, der wohl anderswo einfach im Weg wäre^^ (Ist er dort auch, aber da ist es nicht so wichtig :D).

Ich stand erstmal ein bisschen blöd rum und hab Nathalie und der Blonden dann beim Einräumen der Bücher zugeschaut. Wie ihr ja mittlerweile alle wisst, hat Lyon reichlich Bibliotheken (ja, da hab ich wohl die meisten meiner hiesigen Leser zugejammert *hust*), die alle zusammenarbeiten. Das heißt: Jeden Morgen kommen Kästen an mit Büchern aus der Bibliothèque du 1er, die in anderen Bibos abgegeben wurden. Die müssen sortiert und re-registriert werden, das dauert seine Zeit.

Eine Viertelstunde später habe ich dann meine eigentliche Verantwortliche kennengelernt: Myriam. Vom Auftreten her hätte ich auf den allerersten Blick gesagt, dass sie die jüngste ist, auf den zweiten Blick die zweit- oder drittjüngste. Und damit die Beiträge nicht völlig aus dem Ruder geraten, beende ich das hier erstmal vor dem Essen. :D

… oder auch nicht, nachdem einige Minuten, nachdem ich angemacht habe, und einige Sekunden, bevor ich posten konnte, das Netz nicht mehr so will wie ich. Im Gegenteil, es will GAR nicht mehr. Danke, WiFi, ich finde es ja toll, dass ich hier in der Nähe einen Hotspot habe. Noch toller würde ich es aber finden, wenn das auch noch alles funktionieren würde.

Weder im Wohnzimmer noch hier geht es, das ärgert mich gerade. Jetzt wollte ich euch den so sehr erwarteten und erbettelten (-> Leah :D) Post geben und er lässt mich nicht – so eine Unverschämtheit.

Naja, dann schreibe ich eben weiter. Wo war ich stehengeblieben?

Ach ja, Myriam. Also, Myriam ist gut gebräunt, schlank, klein, aber nicht mal annähernd so klein wie Nathalie, ich bin vielleicht 1,5 Köpfe größer. Ihre dunklen Haare sind etwas länger als schulterlang, sie trägt Mittelscheitel und Pony bis zu den Augenbrauen – es steht hier. Wenn ich ehrlich bin, trägt sie „jugendlichere“ Klamotten als ich :DD

Also, Myriam ist eine ausgesprochen sympathische Person, die sich um die Organisation der gesamten Bibliothek im 1. Arrondissement kümmert. Sie hat mich erstmal auf nen Tee in der schon beschriebenen Küche eingeladen, wir haben uns hingesetzt und gequatscht. Wobei eher sie geredet hat und ich zu tun hatte, ihr zu folgen. Sie hat langsam geredet, ich habe dann auch sehr bald was gesagt deshalb, nach den ersten paar Sätzen (das sich vor allem Nathalie zu Herzen nimmt, ironischerweise :DD Sie und Marie, die auch noch vorgestellt wird^^). Überhaupt stelle ich fest, dass ich mein Französisch grandios überschätzt habe und es immer noch und wieder tue. Ich verhasple mich ständig, denke in drei Sprachen auf einmal, da ich so schlau war, „Alice in Wonderland“ mitzunehmen (ein tolles Buch, nur mal so nebenbei gesagt, nur eben auf Englisch^^). Was zwar zu interessanten Satzkombinationen führt, aber nicht unbedingt praktisch ist. Aber ich verstehe immer besser und immer mehr, außer heute, da…. Stopp. Ich bin grad mal beim ersten Tag, ich muss euch ja nicht gleich noch mehr verwirren, als ich es mit den Massen an in den Raum geschmissenen Namen ohnehin schon tue :DD

Also: Einweisung ins Allgemeine durch Myriam, dann wurde mir gezeigt, wie gegliedert und geräumt wird.

Dabei habe ich dann auch Bernadette getroffen, die steht irgendwo noch über Myriam, dafür hat mein Französisch dann doch nicht gereicht^^

Sie ist die älteste (da bin ich mir sicher – eigentlich), hat eine hellgraue Bobfrisur, liebt Ketten mit großen Anhängern, gerne auch mehrere an einer, in allen möglichen Materialien und einem Kleidungsstil, der gleichzeitig elegant und ökologisch korrekt wirkt (wenn ihr versteht, was ich meine^^). Sie ist immer entspannt, zumindest macht sie den Eindruck, über den Dingen zu stehen, und geht jedes noch so große Problem mit Ruhe an. (Und das funktioniert bei ihr wirklich, habe ich mir sagen lassen.) Sie hat tatsächlich das klischeehafte gehobene-Gesellschaft-Getue an sich, nur dass es bei ihr natürlich statt gekünstelt wirkt. Joa… Dank Bernadette und Véronique (die ich noch nicht kenne) bin ich überhaupt erst an den Job gekommen, wofür ich natürlich sehr dankbar bin…

[Okay. Eigentlich müsste ich jetzt zurück zum Thema kommen, das Restaurant wieder mit einbeziehen, da der Morgen dann schon vorbei war, und von meinem Nachmittag erzählen, aaaaaaaaaber ich bin verdammt müde, also gehe ich jetzt (um 21.44 Uhr am 7. Oktober 2011) ins Bett.

Morgen früh habe ich frei, dann wird der Rest auch noch nachgereicht (oder es wird zumindest versucht :DDD) Also: Gute Nacht Welt! Bis morgen!]

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